Ethik der Beratung - Fachtagung bso vom 4.-5. November 2021

Es wäre schön, wenn wir uns wieder mehr in Widersprüche verwickeln würden. Wenn das geschieht, sind die Bedingungen für eine Ethik der Beratung gegeben. Dies zu einem Erlebnis und einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Wertesystem zu machen, ist das Ziel der Jahrestagung bso.

Die Tagung lädt gemeinsam mit namhaften Referent:innen zu Bewusstwerdung, Tätigsein und Klärungsarbeit im Reich der Ethik ein. Die Referent:innen gehen dabei selber in Auseinandersetzung und vertiefen ihre eigenen Impulse.

Die neu überarbeiteten Ethikrichtlinien bso bilden mit eine Basis und sind mit ein Thema. Ethikrichtlinien leben in Dialog und von der Auseinandersetzung mit Fallsituationen aus dem Beratungsalltag. Dies bildet unter anderem den dritten Teil der Tagung, zu der wir herzlich einladen.

Wir freuen uns, Sie im Volkshaus in Zürich begrüssen zu dürfen.

Dr. Jean-Paul Munsch,
Philosoph und Präsident bso und
Prof. Dr. Christof Arn, Ethiker und agiler Hochschuldidaktiker

 


 

Übersicht

Alle Informationen zur Fachtagung mit einem Klick.

 




Programm

Auftaktveranstaltung der Ethiktagung bso 2021

Donnerstag, 4. November 2021
16.30 bis 20.30
Für Mitglieder bso kostenlos

16.30 Dialogischer Impuls zu ethischer Kompetenz von Prof. Dr. Christof Arn:

  • Richtlinien: Impact über die Entstehungsinteraktionen mehr als über das Papier
  • bso: Postambel
  • Welche Bedeutung haben Ethikrichtlinien für die Mitglieder bso? → Orientierung/Orientierungsrahmen, Reflexionsgrundlage und Ort des gemeinsamen Denkens

Der Impuls wird in Kleingruppen aufgenommen und in einer Aufstellung der Wertepolaritäten überführt.

20.00 Gemütliches Ausklingen bei Apéro Riche

Ethik der Beratung - Fachtagung bso 2021

Freitag 5. November 2021
08.30 bis 17.45

08.30 Türöffnung, Begrüssungskaffee, Check-In

09.15 Tagungsbeginn

  • Impuls 1: Prof. Dr. Christof Arn
  • Impuls 2: Wolfgang Dinger
  • Impuls 3: Prof. Dr. Agnes Turner
  • Impuls 4: Prof. Sonja Hug
  • Impuls 5: Prof. Dr. Peter A. Schmid
  • Impuls 6: Prof. Dr. Martina Ukowitz
  • Vertiefung in den Paarungen

12.30 Mittagspause mit Stehlunch

13.45 Erste Runde Workshops

15.15 Pause / Wechsel

15.30 Zweite Runde Workshops

17.00 Schlusspodium mit den Impulsgeber:innen und Referent:innen

17.30 Abschluss und Reflexionen zur Tagung 

17.45 Verabschiedung


 

Impulsvorträge & Workshops

Alle Informationen zu den Workshops, von denen Sie jeweils einen pro Workshoprunde auswählen können.

Prof. Dr. Christof Arn - Ethikmethoden und Selbstreflexionstiefe: Persönlichkeitsentwicklung als Zuwendung von aussen

Wissenschaftliche Ethik ist zu grossen Teilen eine systematische Reflexionstechnik. Dabei geschieht wesentlich Selbstreflexion – mehr als oft vermutet wird, weil das Nachdenken über Werte stets zugleich ein Nachdenken über eigene Werte ist. Beratung und Organisationsentwicklung leben ebenfalls von Selbstreflexion – und zwar seitens der Beratenden wie der Ratsuchenden. Allerdings: Selbstreflexion wird umso tiefer, je offener man für Selbst-infragestellung sein kann. Wovon hängt das ab? Wie lässt sich das fördern? Wo sollten welche Grenzen im Blick bleiben?

In diesem Referat werden Thesen zum Zusammenhang von Grundprinzipien, Reflexionstechniken und Persönlichkeitsentwicklungs-Forschung erläutert und auf Praxis hin bedacht. Es ergeben sich Anregungen für die eigene Weiterentwicklung als Berater:in sowie Ethiker:in, und Ideen für eine Erweiterung des Methodenrepertoirs als Beratungsperson: Selbstreflexion bei Ratsuchenden lässt sich stärken und transformativ vertiefen. 

Wolfgang Dinger - Wertekonflikt in der Arbeitswelt - Der Beitrag des triadischen Verstehens in Supervision und Coaching

Supervision und Coaching bewegen sich, bezogen auf den Organisationskontext, in einem Spannungsfeld von fachlicher Orientierung und wirtschaftlichen Anforderungen. Ausgehend von der Betrachtung der Auswirkungen der Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche, seit der neoliberalen Wende der 1980er Jahre, werden die Verflechtungen von gesellschaftlichen Prozessen und individuellem Erleben in der Arbeitswelt (Pierre Bourdieu, La misère du monde, 1993) betrachtet, so wie sie sich in Beratungsprozessen darstellen. Das alltägliche Leiden an gesellschaftlichen, arbeitsweltlichen Gestaltungen fordert von Berater:innen eine wertbezogene Haltung und den Umgang mit situativer Komplexität. Für die Einnahme einer Position der Multiperspektivität in der beratenden Arbeit kann sich Supervision und Coaching am Arbeitsmodell der Triangulierung orientieren. Mit dessen Hilfe kann die Dichotomie von Entweder-Oder zugunsten einer umfänglichen Betrachtung und Bearbeitung aufgelöst werden.

Prof. Mag. Dr. Agnes Turner - Holding mind in mind: Mentalisierung als Grundlage für Ethikfragen in Supervison und Coaching

Supervision und Coaching wird nach Pühl (2017) allgemein als ein „reflexives und prozessorientiertes Beratungsformat“ verstanden, in dem „Fragen, Problemfelder, Konflikte und Fallbeispiele aus dem beruflichen Alltag thematisiert [wird]. Stellt man dies dem Mentaliserungskonzept (Fonagy et. al. 2004; Schultz-Venrath 2013; Taubner 2015) gegenüber, so kann festgehalten werden, dass Supervision und Mentalisieren in einem Naheverhältnis zueinanderstehen (Gingelmaier 2018). In supervisorischen Prozessen werden durch Bearbeitung von konkreten Problemstellungen aus dem beruflichen Kontext sowie durch die Anleitung des/der Supervisor:in explizites Mentalisieren (Allen et. al., 2011) gefördert. Speziell in der Auseinandersetzung mit ethischen Fragen zu und in Supervision und Coaching sind alle beteiligten Akteur:innen gefordert. Da die Mentalisierungsfähigkeit durch Stressfaktoren herabgesetzt werden kann (Taubner 2015), stellt dies Supervior:innen sowie Supervisand:innen vor besondere Hürden.

In diesem Beitrag wird das Konzept der Mentalisierung vorgestellt und im Kontext von ethischen Fragen in Supervision und Coaching diskutiert. Im Workshop werden anhand von Beispielen der Teilnehmer:innen als auch mitgebrachten Fallvignetten das explizite Mentalisieren gezeigt und erfahrbar gemacht.  Dabei wird Schritt für Schritt auf Mentalisierungsprozesse eingegangen und gezeigt, wie es gelingen kann, in herausfordernden beruflichen Situationen mentalisierend zu bleiben.

Prof. Sonja Hug - Die Würde des Menschen- wichtige Grundlage jeder Beratung oder nur Leerformel?

Die Achtung der Würde des Menschen gilt als wichtige Grundlage des Zusammenlebens. Deshalb ist sie auch juristisch verankert, beispielsweise in der schweizerischen Bundesverfassung oder dem deutschen Grundgesetz. In Diskussionen wird sie häufig bemüht und in allen Berufskodices direkt oder indirekt erwähnt. Aber was genau bedeutet es eigentlich, über den rechtlichen Rahmen hinaus, die Würde des Gegenübers zu achten und zu wahren?  Wann wird die Würde verletzt?
Gerade Würdeverletzungen werden oft primär emotional erfasst und lösen direkte Empörung aus. Dieser emotionale Kompass ist zwar unverzichtbar, alleine auf seiner Basis lässt sich Menschenwürde allerdings nicht griffig und verbindlich definieren. Auch in der Ethik bestehen unterschiedliche Konzeptionen von Menschenwürde. Unter Bezugnahme auf diese Konzeptionen lassen sich wichtige Grundsätze für die Praxis der Beratung ableiten, so dass Würde nicht länger eine Leerformel bleibt, sondern konkretisiert wird. Wobei auch in der ethischen Auseinandersetzung mit dem Würdebegriff gilt: Ethik bedeutet primär Reflexion von moralischen Regeln und Vorstellungen. Es gilt also, die Würde des Menschen mag unantastbar sein, der Würdebegriff aber durchaus kontrovers diskutierbar.

Prof. Dr. Peter A. Schmid - Ethik in der Supervision. Methoden – Leitplanken – Stolpersteine

In den letzten zwanzig Jahren haben Berufsethiken in den verschiedensten Bereichen Hochkonjunktur. Kein Berufsverband der keine Berufsethik oder Berufsordnung für seine Mitglieder verfasst hätte. Die Berufsethik regelt zwar, welches die ethischen Leitlinien der Berufsausübung sind und welches ethische Selbstverständnis professionelle Berater:innen haben sollten. Damit ist aber noch nichts darüber gesagt, wie Ethik selbst in den spezifischen Formen der Beratung zum Thema werden kann. Im Impulsreferat soll der Frage nachgegangen werden, wie ethische Fragstellungen in der Supervision behandelt werden müssen. Welche methodischen Ansätze sind geeignet und wie verhalten sich diese Ansätze zur Berufsethik, wie sie der bso vertritt? Neben Aspekten der Methode sollen die notwendigen Leitplanken einer Ethik in der Supervision zu Sprache kommen und die unvermeidlichen Stolpersteine der Behandlung von ethischen Fragen behandelt werden.

Prof. Mag. Dr. Martina Ukowitz - Beratung als prozessethisches Arrangement?

Ethische Fragestellungen berühren verschiedenste Dimensionen beraterischen Handelns. Eine Ebene der Auseinandersetzung betrifft die Institution Beratung selbst, ihre Funktion in der Gesellschaft und wie sich diese Funktion in der Beratungsarbeit spiegelt. Der Beitrag/Workshop fokussiert die wechselseitige Beziehung zwischen Beratung und Gesellschaft und eröffnet die Reflexion ausgehend von konkreten Praxiserfahrungen: Inwiefern spiegeln sich aktuelle gesellschaftliche Dynamiken in der Beratung und welche in welchem Ausmaß? Wie gehen Berater:innen mit den spezifischen Kontexten um, in die die Anliegen ihrer Klient:innen und deren Organisationen gestellt sind? Inwieweit kann und soll in der Beratung ein gewisses Ausmaß an Systemreflexion aufgehoben sein und wie kann allenfalls der Widerspruch zwischen notwendiger Anpassungsleistung und reflexivem Widerstand balanciert werden?

Fragen wie diese verweisen auf beratungsmethodische Aspekte, aber auch auf eine grundsätzlichere Diskussion einer möglichen politischen Dimension von Beratungsformaten wie Coaching, Supervision oder Organisationsberatung. Der Zusammenhang von wirtschaftsethischen und beratungsethischen Fragen rückt in den Blick und schließlich die Frage, inwieweit Beratung das Potential hat, ein Setting (prozess)ethischer Auseinandersetzung zu sein. Ein interessanter Detailaspekt dabei ist die Frage nach dem Umgang von Berater:innen mit eigenen Wertmustern und Normativität.

 


Impulsgeber:innen & Referent:innen

Erfahren Sie mehr zu unseren Impulsgeber:innen und Referent:innen.

Dr. Christof Arn hat nach mehreren Forschungsprojekten im Feld der Ethik vor 15 Jahren angefangen, Spitäler, Heime und andere Organisationen rund um ethische Fragen zu unterstützen. Er lehrt zudem Ethik an verschiedenen Hochschulen mit dem Schwerpunkt «Ethiktransfer»: Wie kann wissenschaftliche Ethik in unterschiedlichen Fach- und Praxisfeldern konkret hilfreich werden? Dazu hat Christof Arn publiziert und Methodiken entwickelt. Mehr auf ethikprojekte.ch.

Wolfgang Dinger Supervisor (DGSv), Gruppenanalytiker (IGA Heidelberg), Lehrsupervisor und Dozent in Weiterbildungen für Supervision und Coaching, Gutachter für Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. (DGSv) und er schrieb das Buch "Gruppenanalytisch denken - supervisorisch handeln: Gruppenkompetenz in Supervision und Arbeitswelt". Wolfgang Dinger ist Theologe und Supervisor, dem eine vitale Gemeinde sehr am Herzen liegt. Sein Schwerpunkt ist Engagement und Spiritualität für ein globales Lernen.

Prof. Mag. Dr. Agnes Turner ist Professorin für Pädagogik und stellvertretende Institusvorständin am Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Alpen Adria Universität Klagenfurt. Sie ist Präsidentin der ANSE (europäischer Dachverband für Supervision) und Mitglied des DFG Netzwerks «Mentalisierungsbasierte Pädagogik». Sie forscht zu Fragen der Reflexion psychodynamischer Prozesse, emotionaler Aspekte beim Lernen und Lehren, mentalisierungsbasierter Pädagogik, Lernen und Lehren in einer digitalisierten Welt sowie zu beruflichen Professionalisierungs-Prozessen. Ihre Publikationen sind in der Datenbank der Universität Klagenfurt zu lesen.

Prof. Sonja Hug ist Sozialarbeiterin FH und Supervisorin sowie Professorin an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ihre Schwerpunkte als Dozentin sind im Bereich Ethik in der Sozialen Arbeit, Ethik im Gesundheits-und Sozialwesen und der klinischen Sozialarbeit. Zusätzlich ist sie Leiterin des MAS «Ethische Entscheidungsfindung in Organisation und Gesellschaft» und berät Organisationen und Einzelpersonen. Sie schrieb einige Publikationen zum Thema Ethik in der Sozialarbeit, die auf Researchgate zu lesen sind.

Dr. Peter A. Schmid ist Dozent und Leiter des Masters in Sozialer Arbeit an der Hochschule Luzern. Er hat an der Universität Zürich Philosophie und Staatsrecht studiert und über praktische Ethik promoviert, danach kam die Ausbildung zum Supervisor, Mediator und Coach an der ZHAW. Neben seiner Tätigkeit an der Hochschule Luzern ist er als freischaffender Ethiker, Supervisor und Moderator von Ethikforen im Sozial- und Gesundheitswesen tätig. Weitere Informationen zu Publikationen, Projekten und Biografie sind auf der Website der Hochschule Luzern zu finden.

Prof. Mag. Dr. Martina Ukowitz ist assoziierte Professorin an der Abteilung für Personal, Führung und Organisation an der Universität Klagenfurt. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Organisationsforschung und Organisationsentwicklung, der transdisziplinären Forschung (u.a. im Kontext Beratungsforschung), der Interventionsforschung, der Prozessethik sowie der Durchführung transdisziplinärer Forschungsprojekte in unterschiedlichen interdisziplinären Konstellationen in den Feldern Bildung, nachhaltige Regionalentwicklung, Naturschutz und Public Health. Ihre Publikationen können auf Researchgate gelesen werden.

 


 

 

Preise & Rücktrittsbedingungen

Alle Informationen zu den gültigen Preisen und Rücktricksbedingungen finden Sie hier.

Tagungspreise

Mitglied bso

  • Early Bird: CHF 195.00*
  • Normaltarif: CHF 245.00

Nicht-Mitglied

  • Early Bird: CHF 295.00*
  • Normaltarif: CHF 345.00

Rücktrittsbedingungen

Bis und mit 5. Oktober 2021

  • 100% des Betrages wird rückerstattet*

Bis und mit 20. Oktober 2021

  • 50% des Betrages wird rückerstattet*

Ab 21. Oktober 2021

  • Keine Rückerstattung mehr möglich*

*Early Bird-Tarif gilt für Anmeldungen bis und mit 31. August 2021

*Falls Sie nicht teilnehmen können, aber eine/n Ersatzteilnehmer:in stellen, gibt es keine Kostenfolge

 


 

Anmeldung

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